„Physik im Blick 2007“ im Jubiläumsjahr - Kurze Programm-Erläuterung

Im Jubiläumsjahr der Giessener Universität orientiert sich die Themenwahl von „Physik im Blick 2007“ an den Arbeiten von Physikern, die in Gießen lehrten. „Gestern erforscht - heute aktuell“, damit lassen sich drei der fünf Vorträge der Reihe überschreiben, in denen die Bedeutung von Wilhelm Conrad Röntgen, Wilhelm Wien und Walter Bothe für die moderne Forschung und Anwendung lebendig wird. Röntgen, Wien und Bothe besetzten im Zeitraum zwischen 1879 und 1932 für einige Jahre den Lehrstuhl für Physik. Alle drei wurden bekanntlich mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

Für das Wiensche Verschiebungsgesetz bietet der Physiknobelpreis 2006 einen attraktiven Hintergrund, dessen Aktualität kaum zu übertreffen ist. Die Erläuterung der allgegenwärtigen kosmischen Mikrowellenstrahlung, deren spektrales Intensitätsmaximum und deren Temperatur diesem Gesetz genügen, wird durch eine Reihe von Experimenten zu den Eigenschaften des schwarzen Körpers farbig gestaltet werden.
( 27. Januar 2007, Professor Dr. Wolfgang Cassing, Universität Gießen: Das Vermächtnis des Urknalls - Die Hintergrundstrahlung)


Die Bedeutung der Röntgenstrahlen ist heutzutage offensichtlich. Der Vortrag zur Röntgenstrahlung wird die physikalische Natur dieser energiereichen Strahlung beleuchten und einen Bogen von analytischen Anwendungen in der Technik über diagnostische Methoden in der Medizin bis zu den kosmischen Röntgenausbrüchen, den X-ray bursts, spannen.
(3. Februar 2007, Professor Dr. Wolfgang Kühn, Universität Gießen: Die Welt im Röntgenlicht)

Fragen und Erkenntnisse der modernen Teilchenphysik erläutert der dritte Vortrag. Die von Bothe entwickelte Koinzidenzmethode, die die zeitliche Korrelation von Ereignissen erfasst, wird dabei u.a. über die Demonstration der Winkelbeziehung zwischen Photonen verdeutlicht, die bei der gegenseitigen Vernichtung eines Elektrons mit seinem Antiteilchen, dem Positron, entstehen. Dieser Zerstrahlungsprozess ist Grundlage der zur medizinischen Diagnostik eingesetzten Positronen–Emissions-Tomographie PET.
(10. Februar 2007, Professor Dr. Volker Metag, Universität Gießen: Bothes Koinzidenzmethode - Wegebereiterin der modernen Teilchenphysik)

Zwei Vorträge zur Astronomie umrahmen die drei skizzierten Beiträge. Ihre Themenwahl stützt sich auf die Idee, das Gründungsjahr der Universität Gießen in den Zeitrahmen der Entwicklung physikalischer Erkenntnisse einzuordnen. Das Jahr 1607 fällt beinahe zusammen mit 1609, dem Jahr, in dem Galileo Galilei sein erstes Fernrohr baute. Auf dieser Parallelität fußt auch der Titel des ersten Vortrags der diesjährigen Reihe:

Von GALILEO zu DARWIN - Die Suche nach extrasolaren Planeten (20. Januar 2007, Priv. Dozent Dr. Christoph Scheidenberger, Gesellschaft für Schwerionenforschung, Darmstadt)

Der zweite Rahmenvortrag, mit dem die Vortragsreihe „Physik im Blick 2007“ schließt, schildert die beachtlichen Fortschritte der erdgebundenen Teleskope, in denen Spiegel und Optiken höchster Qualität zusammen mit Quanten-Detektoren und schneller Datenverarbeitung eingesetzt werden. Mit Dr. Stefan Hippler wurde ein Referent eingeladen, der an international genutzten Teleskopen arbeitet (und außerdem ein Absolvent der Giessener Physik ist):
( 17. Februar 2007, Dr. Stefan Hippler, Max-Planck-Institut für Astronomie, Heidelberg
: Warum funkeln die Sterne? Astronomie mit den modernsten Teleskopen)